Niederdeutsch in Sachsen-Anhalt (NiSA)

Studien zu Bestand, Entwicklung und kulturell-sozialer Bedeutsamkeit des Niederdeutschen

 

Beginn: 08.10.2020 

 

Projektverantwortliche:

  • Dr. Ursula Föllner
  • Dr. Saskia Luther
  • Prof. Dr. Kersten Sven Roth

 

Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern, in denen es Sprecher und Sprecherinnen der Regionalsprache Niederdeutsch gibt und die sich im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zur Pflege und zum Schutz dieser nicht nur historisch bedeutsamen Sprache verpflichtet haben. Neben der Unterstützung von Maßnahmen der Sprachpflege, der Integration des Niederdeutschen in Schule und Unterricht (einschließlich der Entwicklung entsprechender Materialien und Lehrkonzepte) sowie der Politikberatung mit Blick auf den Regionalsprachenschutz stellt dies nicht zuletzt auch einen Forschungsauftrag dar.

Ausgehend von dem ersten umfassenden und vom Land Sachsen-Anhalt finanzierten Forschungsprojekt „Sprachsoziologische Untersuchungen zum Niederdeutschen in Sachsen-Anhalt“ (1993-2000) der Arbeitsstelle Niederdeutsch wird nun im Rahmen eines weiterführenden Projektes der Fokus erneut insbesondere auf sprachpragmatische und soziokulturelle Aspekte gerichtet ohne dabei sprachstrukturelle Gegebenheiten gänzlich zu vernachlässigen.

Es handelt sich hierbei um ein Rahmenprojekt, welches eine längere Laufzeit umfasst und das sich in unterschiedliche Modulcluster strukturiert. Konkrete Teilprojekte orientieren sich an der Modulstruktur, sind aber hinsichtlich ihrer Formen, Methoden und Finanzierung variabel („Puzzle-Prinzip“). Dabei wird keine flächendeckende Erhebung von Daten angestrebt, sondern eine Hotspot-Analyse von mindestens drei Referenzorten bietet die Basis der Untersuchungen.

 

Folgende Modulcluster sind vorgesehen und behandeln diese Themenbereiche:

 

1. Sprachstand: Gebrauch und Kompetenz    

Dazu gehören u. a.:

  • Aufbereitung und weitere Auswertung dialektologischer Erhebungen aus den 1990er Jahren
  • Erhebung von Daten, methodisch angelehnt an die der 1990er Jahre
  • Vergleich der Daten zur Beschreibung von Entwicklungen
  • Beschreibung der „Ortssprache“ als Lokalvarietät mit Blick auf den niederdeutschen Anteil

 

2. Spracheinstellungen

Dazu gehören u. a.:

  • Kognitive Spracheinstellungen im Vergleich
  • Affektive Spracheinstellungen im Vergleich
  • Volitive Spracheinstellungen im Vergleich
  • Rekonstruktion des Verhältnisses zwischen niederdeutscher Sprache und lokaler Identität
  • Spracheinstellungen von Außenstehenden in relevanten sozialen Gruppen (Schule, Politik, Kultur, Wissenschaft) als Fremdperspektive
  • Ableitung von sprachpolitischen Konsequenzen im Sinne der Sprachencharta

 

3. Diskurse und Dispositive

Dazu gehören u. a.:

  • Diskursanalyse lokaler Text- und Medienkorpora zum Niederdeutschen
  • Diskurspragmatische Erhebungen teilnahmeorientierter Realisationen des Diskurses
  • Historische Diskursanalyse lokaler Diskurse zum Niederdeutschen (u. a. während politischer Transformationsphasen)
  • Analyse des politischen Rahmendiskurses in Sachsen-Anhalt 1990-2020

 

4. Traditionen von Sprache und Literatur (Lehrstuhl Prof. Kössinger, ÄdL)

Dazu gehören u.a.:

  • Diachroner Kontext der niederdeutschen Sprache und Literatur
  • Schreiborte in Mittelalter und früher Neuzeit
  • Konstitution lokaler plattdeutscher Traditionen (Lieder, Sagen usw.) in Form spezifischer literarischer Stoffe

Letzte Änderung: 23.06.2021 - Ansprechpartner: Webmaster Germanistik