Kanzleisprache

19.04.2016 -  

[engl. office language, frz. langue de chancellerie, russ. язык канцелярии/канцелярский язык]

In der Sprachgeschichtsforschung die geschriebene Geschäftssprache der kaiserlichen, großen fürstlichen und städtischen Kanzleien des 14. bis 16. Jh.s. Der erst seit dem 18. Jh. gebräuchliche Terminus K. ist am Texterzeuger orientiert, während die Termini Urkunden- und Geschäftssprache textsortenbasiert sind. Insbesondere im Zusammenhang mit der Herausbildung der nhd. Schriftsprache über die Bedeutung der verschiedenen Kanzleisprachen am Vereinheitlichungsprozess der Schriftdialekte, der am Ende des fnhd. Sprachstadiums ( Frühneuhochdeutsch, Sprachstadium) einsetzt, z.T. kontrovers diskutiert (zu den verschiedenen Theorien: neuhochdeutsche Schriftsprache) wird. Allgemein wird anerkannt, dass insbesondere die kaiserliche Kanzlei der Luxemburger in Prag (14. Jh.) und die der Habsburger in Wien (15. Jh.), die kurfürstlichen Kanzleien der Wettiner in Wittenberg und Meißen sowie die städtischen Kanzleien in Nürnberg und Augsburg durch ihre Textproduktion den Prozess der Normierung des Frühneuhochdeutschen in unterschiedlichem Maße beeinflussten. 

Lit.: Bentzinger, R., Die Kanzleisprachen. In: Besch, W./Betten, A./Reichmann, O./Sonderegger, St. (Hrsg.), Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2., vollständig neu bearb. u. erw. Aufl., 2000, 1665-1673. Hartweg, F./Wegera, K.-P., Frühneuhochdeutsch. Eine Einführung in die deutsche Sprache des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. 1989. Greule, A./Meier, J./Ziegler, A. (Hrsg.): Kanzleisprachenforschung. Ein internationales Handbuch. Unter Mitarbeit von M. Glantschig. 2012. Kettmann, G., Die kursächsische Kanzleisprache zwischen 1486 und 1546: Studien zum Aufbau und zur Entwicklung. 1967. Moser, H., Die Kanzlei Kaiser Maximilians I. Graphematik eines Schreibusus. 1977. Polenz, P. von, Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Bd. 1. 1991. SL

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