Germanistische Linguistik

Die Linguistik beschäftigt sich mit der Sprache. Was aber ist Sprache überhaupt? Worin liegt das Wesen der Sprache? Wozu dient Sprache?

Menschen können sprechen und Informationen übertragen - im Unterschied zu Tieren. Doch teilt eine Biene, die von ihrer Blüte zurückkommt und deshalb tanzt, nicht auch etwas mit, zumal ihr "Tanztempo" im Zusammenhang steht mit der Entfernung zur Blüte?

Allein die menschliche Sprache ermöglicht es uns, an die Stelle von Gegenständen und Sachverhalten sprachliche Zeichen (Symbole) zu setzen. Wir können also über eine Palme reden, auch wenn wir gerade nicht am Atlantik Urlaub machen. Die sprachlichen Mittel - Laute/Buchstaben, Wörter und Sätze - sind Voraussetzung für unsere Fähigkeit, sprechen und einander verstehen zu können.

Jede einzelne Sprache hält diese Elemente für ihre Sprecher und Hörer bereit. Deshalb wollen wir im Fachgebiet Germanistische Linguistik das System unserer Muttersprache mit all seinen sprachlichen Mitteln, Regeln und Strukturen beschreiben. Wir wollen die deutsche Sprache analysieren und sie anhand wissenschaftlicher Methoden untersuchen und bewerten. Wir können dann bestimmt auch erklären, nach welchem Muster z. B. das Wort "Mobiltelefon" gebildet ist, oder warum wir im Deutschen "Handy" als Synonym verwenden können, obwohl ein Vergleich mit dem englischen Verbalsystem in diesem Fall keine Parallele ergibt.

Sprecher gebrauchen in bestimmten Situationen ganz unterschiedliche Wörter, bilden die Sätze zwar immer wieder regelhaft, aber mit vielfältigen stilistischen Nuancen? Dieser Aspekt der wissenschaftlichen Untersuchung unserer Muttersprache zielt also nicht mehr nur darauf, Wörter grammatisch korrekt zu Sätzen und Texten verknüpfen zu sollen, sondern den gezielten und wirkungsvollen Gebrauch von sprachlichen Äußerungen in konkreten sozialen Situationen bewusst zu machen und beurteilen zu können.

Die ausgewählten Fragestellungen deuten auf die Vielfalt in der Einheit unseres Fachgebiets Germanistische Linguistik, das an unserem Institut folgende Teilfächer umfasst:

 

  • Die historische Sprachwissenschaft (Sprachgeschichte)


Das Studium der Sprachwissenschaft fragt nach dem Ursprung und nach der Geschichte der Sprache. Wie hat man wohl im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit gesprochen? Welche Entwicklungsetappen der deutschen Sprache lassen sich unterscheiden und wie hat sich Sprache seither verändert?

 

  • Die moderne Sprachwissenschaft (Germanistische Linguistik heute)


Seit Beginn des 20 Jh. beschreibt die moderne Linguistik, deren Kern die Grammatik bildet, den systematischen Aufbau der Sprache, also jene Beziehungen, zwischen Lauten, die sich regelhaft aneinanderfügen, so dass sie als Morpheme Bedeutungen tragen und Wörter bilden, die schließlich auf der Grundlage von Regeln zu Sätzen und Texten kombiniert werden.

Wir nutzen wissenschaftliche Theorien und Methoden, um die Struktur der sprachlichen Zeichen analysieren zu können, um Modelle und Muster zu entdecken.

Über die Kenntnis von sprachlichen Normen der Orthografie, Grammatik und Stilistik hinaus, öffnet sich die Linguistik zunehmend anwendungsbezogenen Fragestellungen. Die Teildisziplinen Pragma- und Soziolinguistik, Textlinguistik und Kommunikationswissenschaft werden in den Vorlesungen und Seminaren thematisiert. Das Studium bietet eine Auswahl von Themen zur politischen Sprache, zur Werbesprache, zur feministischen Sprache und zum Sprachwandel. Verschiedene Einzelsprachen werden kontrastiv betrachtet, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede nicht nur zwischen dem Deutschen und dem Englischen herauszuarbeiten. Wir beurteilen das Sprachverhalten unterschiedlicher sozialer Gruppen und begleiten die Sprache in den Medien sehr kritisch. Diese Themenstellungen verbinden wissenschaftstheoretische Fragen mit konkreten Anforderungen sozialer und gesellschaftlicher Praxis.

Letzte Änderung: 07.10.2019 - Ansprechpartner: Webmaster Germanistik